20.07.2008

Das Lammkeulen-Drama

Gestern Abend gab es eine leckere Lammkeule - begleitet von einem mindstens ebenso köstlichen provencalischen Syrah von der "Domaine Mayol". Aber heute... heute habe ich ein Problem!

Denn wo kommt der Knochen einer Lammkeule hin? Meine erste Idee, die Bio-Tonne zur Entsorgung zu nutzen, wird durch den Aufkleber an eben jenem Behältnis in Frage gestellt, der mir erklärt: „In die Bio-Tonne gehören keine Knochen!“

Da es unwahrscheinlich ist, dass das verspeiste Lamm den „Grünen Punkt“ besaß, gehört der Knochen wohl kaum in den gelben Sack. Wenn ich wenigstens einen Hund hätte, dann könnte der den Knochen irgendwo im Wald vergraben. Aber so bleibt mir vermutlich nur der Restmüll.

Keine Frage, wir müssen wahnsinnig sein. Wir nehmen uns tatsächlich Unmengen an Zeit, um unseren Abfall pflichtschuldig so zu sortieren, wie es uns von offenbar Umweltbesorgten diktiert wird.
Früher war alles etwas einfacher. Es gab eine Mülltonne, in die alles hineinkam. Nur das Altpapier wurde auch damals schon getrennt gesammelt.

Dann wurden Altglascontainer zum Ausdruck eines ganz neuen Umweltbewusstseins populär. Viel genützt hat es der Umwelt nicht, denn beim Recycling von Glas werden gegenüber der Neuherstellung gerade mal lächerliche drei Prozent Energie eingespart.

Mittlerweile blockieren ganze Kolonnen von Müll-LKW’s die Straßen. Da kommt montags das Fahrzeug für die Biotonnen, mittwochs werden morgens Gelbe Säcke abgeholt, nachmittags kommt der für den Restmüll zuständige LKW vorbei. Seltsamerweise scheint die dreifache LKW-Verkehrsbelastung durch die Müllabfuhr kein Thema zu sein, dass Umweltschützer besonders bewegt.

Emsige Hausfrauen spülen leere Joghurt-Becher und reinigen die geleerte Dose der Pasta-Sauce. Der so gestiegene Wasserverbrauch taucht in der Bilanz der Abfallmanager natürlich ebenfalls nicht auf.
Wenn das Ganze denn wenigstens einen ökologischen Nutzen hätte, könnte man diesen Aufwand ja gerade noch verstehen.

Traurige Realität ist allerdings, dass viele Dinge, die wir mühsam dem Restmüll vorenthalten, um sie den Jungs vom Dualen System (das sind die mit den gelben Säcken) zum Recycling zu übergeben, auch nicht anders behandelt werden, als der Müll früher.

Recycling? Wiederverwertung? Das ist ein Thema, auf das man Vertreter des Dualen Systems lieber nicht ansprechen sollte. Wir zahlen zwar schon beim Einkauf automatisch Gebühren für den Grünen Punkt, aber die Gegenleistung ist mehr als dürftig.

Wenn unser Wohlstandsmüll nicht irgendwo im Ausland (Bangladesh ist da recht beliebt) deponiert wird, dann findet das Duale System auch in Deutschland dankbare Abnehmer. Nicht zum Recycling wohlgemerkt, sondern zur sogenannten „thermischen Verwertung“.

Einverstanden, „Thermische Verwertung“ klingt zunächst mal recht vernünftig und "Verwertung" ist ja sowieso immer toll. Bedeuten tut es allerdings etwas weniger Schönes, nämlich schlicht und ergreifend „Verbrennung“!

Ja, ganz richtig gelesen! Das Duale System verkauft den Müllverbrennungsanlagen eben jenen Verpackungsmüll, den wir mühsam aussortiert haben, damit er eben gerade nicht in die normale Müllverbrennung wandert.

Der Grund dafür ist ganz simpel: Mit unserem kläglichen Restmüll können die Müllverbrennungsanlagen nämlich leider nicht mehr befeuert werden, weil damit die nötige Betriebs-Temperatur nicht erreicht werden kann! Kein Witz!!!

Das heißt im Klartext: Wir bezahlen unseren sortierten Müll gleich zweimal! Die Müllverbrennungsanlagen kaufen von unserer Müllgebühr dem Dualen System Verpackungs-Müll ab, für den wir dem Dualen System auch schon Geld gezahlt haben, nämlich beim Einkauf der Produkte, deren Verpackung den Grünen Punkt trägt!

Damit nicht genug! Wir haben uns auch noch die Mühe gemacht, die bereits erwähnten Joghurt-Becher und Konservendosen gründlich zu säubern. Das bedeutet dass wir via Wasserrechnung nochmals für diesen Müll-Terror zahlen!

Und wofür das alles?

Damit der Verpackungsmüll, der ja getrennt abholt wurde, wieder mit dem Restmüll zusammen in die gute alte Müllverbrennung darf. Keine Frage, wir sind wirklich wahnsinnig!

Ähnlich pervers ist die Sache mit den Bio-Tonnen. Allein schon der Gestank, besonders jetzt im Sommer, ist nichts für schwache Nerven. Noch ekelhafter ist es, wenn hunderte von kleinen Maden in der Tonne wimmeln.

Aber Hygiene und menschliches Wohlbefinden sind keine Argumente für die Herrscher des Öko-Regimes: „Ja, ja, das ist halt die Natur“, schwärmen sie. Dass in der Nähe von den Kompostanlagen stark erhöhte Bakterienbelastungen in der Luft festgestellt worden sind, interessiert in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht. Schließlich geht es ums Prinzip!

Viel wichtiger ist diesen Damen und Herren, dass wir unbedingt nur die Dinge in die Bio-Tonne tun, die auf gar keinen Fall das hoch komplizierte Kompostwerk durcheinander bringen. (Sie wissen ja bereits: Keine Knochen!)

So ist es auch höchst diffizil, ob die Käserinde in den Bio-Eimer darf. Ein eindeutiges Ja kann nur der heute seltenen Naturrinde erteilt werden. Die künstliche Käserinde ist dagegen wohl eher Restmüll. Es sei denn irgendwo an der Rinde pappt der Grüne Punkt. Hilfe!!!

Wenn Sie sich mal unsicher sind, ist das andererseits vielleicht doch gar nicht so schlimm. Denn wir leisten uns wohl einen einmaligen Luxus. Unser Biomüll wird -genau wie das Altpapier und der Inhalt der gelben Säcke- vor seiner Kompostierung noch mal von Menschenhand nach störenden Inhalten durchforstet.

Ganz im Ernst, der Inhalt unserer Biotonnen wird von per Hand sortiert - überwiegend übrigens auch heute noch von Asylbewerbern. Was müssen diese Menschen von uns denken? Dieser Aspekt dürfte vielleicht ein verwegener Erklärungsversuch für die bei uns herrschende Müll-Mafia sein. Es geht gar nicht um Ökologie, es geht eigentlich nur darum, ein möglichst abschreckendes Mittel gegen Asylbewerber zu haben. (Sollte dem tasächlich so sein, dann war es ein durchschlagender Erfolg! Die Asylbewerberzahlen gehen seit Jahren zurück - vermutlich analog zur Verbreitung der Biotonnen.)

Damit verkehren sich die politischen Fronten allerdings exakt ins Gegenteil. Wenn Sie als braver Linker die getrennte Abfallsammlung für eine zwar lästige aber irgendwie doch echt total wichtige Sache hielten, müssen Sie umdenken. Jede Trennung des Mülls vergrault wieder ein paar nette multikulturelle Neu-Mitbürger.

Wenn Sie dagegen zum rechten Flügel gehören und sich bisher immer gegen die Trennung Ihres deutschen Abfalls ausgesprochen haben, sollten Sie sich insbesondere mit der Anschaffung einer Biotonne anfreunden. Damit könnten Sie wenigstens ein paar dieser Brüder vom Balkan vergraulen.

Denn nur so kann Deutschland bleiben, was es ist! Eine Nation völlig Wahnsinniger, die Unmengen an Geld und Zeit verschwenden, um ihren Dreck zu trennen. Merkwürdig, auf einmal wird mir schlecht!

P.S.: Wenn Sie vielleicht einen Tipp für mich hätten, was den eingangs erwähnten Knochen der Lammkeule betrifft...

(C) 2008 (K)ein Kommentar