Vor einigen Jahren plärrte es aus jedem Radio: „Männer sind Schweine!“ Und wenn man(n) seiner Partnerin erklären wollte, dass diese Aussage sicher für die meisten Männer gelten würde, aber keinesfalls natürlich für einen selbst, da wurde man auch schon von den nächsten Zeilen des Songs überrumpelt: „Ausnahmen gibt’s leider keine!“
Fast sieht es so aus, als ob der Text dieses Liedes wohl doch hundertprozentig ins Schwarze trifft. Ich bin dieser Tage über eine Zeitungsnotiz gestolpert, bei der es um Prostitution in Hamburg ging.
Irgendwo in der Meldung stand beiläufig, dass „die Polizei davon ausgeht, dass es in Hamburg etwa fünftausend Prostituierte gibt.“ Hoppla, allein diese Zahl ist beeindruckend genug! Und einige Zeilen später hieß es dann in besagtem Artikel, „dass jede Prostituierte pro Tag zwischen fünf und zehn Freier bedient.“
Obwohl sich meine mathematischen Kenntnisse doch in recht engen Grenzen halten, konnte sogar ich ausrechnen, dass man bei fünftausend Prostituierten und täglich zehn Freiern auf sage und schreibe 50.000 bezahlte Liebesstunden kommt!
Pro Tag, wohlgemerkt!
Selbst wenn man -um der Ehre der Hamburger Männer willen- nur die niedrigere Zahl von fünf Freiern pro Prostituierte zugrunde legt, ergibt sich auch dann immer noch die unglaubliche Zahl von 25.000 professionellen Schäferstündchen. In einer Woche multiplizieren sich daraus dann 175.000 Männer-Besuche im horizontalen Gewerbe.
Ich traute mich kaum noch, weiter zu rechnen, aber meine Neugier hat dann doch gesiegt. Auf den Monat hochgerechnet ergibt sich dann die astronomisch hohe Zahl von 700.000 gekauften Sexabenteuern.
Ist es ein Zufall, dass auch die Anzahl der erwachsenen Männer in Hamburg bei etwa 700.000 liegt?
Denn man kann wohl getrost davon ausgehen, dass nicht jeden Tag die gleichen 25.000 Kerle in die Bordelle, Eros-Center oder Modellwohnungen gehen, schließlich kostet das Vergnügen jedes mal „zwischen fünfzig und dreihundert Euro“, wie dem Artikel zu entnehmen war. (Woher sollte ich sonst auch solche Preise wissen?)
Tja liebe Leserin, wenn wir nun einmal annehmen, dass sich der durchschnittliche Rotlichtkunde zwei Mal pro Monat verwöhnen lässt (...und Ihnen sagt er, sie sollen mit dem Haushaltsgeld sparen. Jetzt wissen Sie wenigstens warum!), dann bleiben aber leider immer noch 350.000 Männer als Prostituierten-Kunden übrig.
Seien wir also noch mal großzügig und unterstellen, dass die Hälfte dieser Typen von außerhalb kommt...
Das würde dann bedeuten, dass sich jeder vierte Hamburger Mann regelmäßig außereheliche bezahlte Befriedigung verschafft! Von den Männern, die eine „normale“ (also unbezahlte) Geliebte haben, mal ganz zu schweigen...
Da kriegen häufig mit zerknirschtem Gesichtsausdruck vorgetragene Aussagen wie „Schon wieder so ein langweiliges Geschäftsessen“, „Ich muss die ganze Woche Überstunden machen“ oder auch „Ich war noch beim Sport“ eine völlig neue Bedeutung.
Und wie gesagt: Wir haben die niedrigere Zahl von nur fünf und nicht zehn Freiern pro Prostituierter und Tag zugrunde gelegt.
Alice Schwarzer war sich schon immer ganz sicher. Viele Frauen hatten zumindest so eine dunkle Ahnung. Jetzt, liebe Leserin, wissen wir, es ist tatsächlich wahr: „Männer sind Schweine / Ausnahmen gibt’s leider (fast) keine!“
Wenn ein derart hoher Prozentsatz unserer Mitmänner untreu ist, dann fragt man sich wirklich, wie einer der wenigen ehrlichen Männer seiner Frau klarmachen kann, dass er tatsächlich Überstunden machen muss.
Vielleicht liegt die Lösung ja im Internet. Eine Webcam im Büro, und schon kann die Frau sehen, dass ihr Mann tatsächlich nur Zahlenkolonnen addiert!
Und schon kann sie sich weiter mit ihrem Nachbarn vergnügen, der in seinem Wesen eher dem „Schweine“-Klischee des Mannes entspricht, als der eigene Gatte....
(C) 2008 (K)ein Kommentar