10.08.2008
Urlaub! Die Wahrheit...
Es ist doch komisch: Wer auch immer dieser Tage gerade aus dem Urlaub zurückkommt, weiß stets nur Gutes zu erzählen. Das Hotel? „Ein Traum!“ Das Essen? „Ein Gedicht!“ Und das Meer? „Kristallklar und so herrlich weißer Strand!“
Das gibt einem doch zu denken, oder? Gerade wenn solche Lobeshymnen von muffigen Kollegen, oberätzenden Nachbarn oder gar der dauermäkelnden Schwiegermutter kommen. Es ist an der Zeit, solchen Aussagen auf den Grund zu gehen. Mit Hilfe mehrerer Meter psychologischer Fachliteratur glaube ich, nunmehr ein Art „Übersetzung für Urlaubserinnerungen“ erarbeitet zu haben. Hier ein Beispiel:
Nach einem sehr entspannten Flug kamen wir fast pünktlich an unserem Urlaubsziel an!
Jaaaaa, die Stewardessen waren sehr entspannt. Wir hatten echte Mühe bei diesen arroganten und langsamen Tanten etwas zu trinken zu bekommen. Wir selbst waren nicht ganz so entspannt, da sich unsere Plätze strategisch ungünstig genau vor einem feiernden Kegelklub und hinter einer Familie mit absolut grässlichen Gören befanden.
Und „fast pünktlich“ ist natürlich ein etwas dehnbarer Begriff. Um es kurz zu machen, wir hatten drei Stunden Verspätung!
Der Transfer zum Hotel ging zum Glück ganz schnell!
„Schnell“ bezieht sich dabei nicht so sehr auf die Dauer der Fahrt (es waren fast zwei Stunden), sondern mehr auf das Tempo. Pedro, unser Busfahrer, war einer von jenen Kerlen, die ihre Sonnenbrillen auch nachts tragen, vermutlich in der irrigen Annnahme, sie seien südamerikanische Despoten. Pedro jedenfalls fuhr wie einer!
Wir trauten unseren Augen kaum, als wir am Hotel ankamen. Es war noch viel, viel schöner, als im Prospekt!
Sagen wir mal: Es war anders. Was im Prospekt wie eine imposante subtropische Gartenanlage aussah, war in Wirklichkeit ein dürftig gewässerter Grünstreifen.
Auch die Fassade, die auf dem Katalog-Foto irgendwie warm und nach Art Deco aussah, entpuppte sich in Realität als Architektur im Stile ostdeutscher Plattenbauten.
Mit dem sympathischen Portier haben wir erst mal ein kleines Schwätzchen gehalten...
Dieser blöde Sack behauptete eine halbe Stunde lang, er hätte keine Reservierung auf unseren Namen.
...und auf unserem Zimmer wartete bereits eine kleine Überraschung!
Überrascht waren eher die beiden, die wir bei etwas offensichtlich sehr Intimen gestört hatten. Dieser Idiot von Portier hatte uns einen falschen Schlüssel gegeben!
Ach, und dieses herrliche Buffet! Was die sich alles haben einfallen lassen!
In der Tat! Ungefähr drei Salate, eine Flüssigkeit, die angeblich Suppe sein sollte, je zwei warme und kalte Vorspeisen sowie zwei Hauptgerichte haben sie sich einfallen lassen! Allerdings nur einmal, denn es gab jeden Tag den gleichen Mist...
Vor dem Frühstück sind wir erst mal an den Pool gegangen...
Wegen der Handtücher! Bei dem Gedränge hätten wir später mit Sicherheit keine Liege mehr abbekommen.
...und nach dem Frühstück haben wir ausgiebig geshoppt.
Wer braucht eigentlich kleine Holzfiguren, aus denen auf Knopfdruck einen vergleichsweise riesiger knallroter Holzpenis heraus springt? Wer kauft sich T-Shirts mit der Aufschrift „Dieser Bauch wurde von Bier geformt“ oder -etwas derber- mit dem offensichtlichen Urlaubsmotto „Ficken!“ Wir nicht!
Das Shopping am Urlaubsort dauerte deshalb nur knappe zwanzig Minuten - danach waren wir durch mit diesen schwachsinnigen Souvenirläden!
Der Ausflug in die Berge war einfach himmlisch. Die Reiseleiterin hat viele interessante Stopps mit uns gemacht, wo wir Gelegenheit hatten, Einheimische kennen zu lernen.
Sie hat überall dort angehalten, wo Touristen Geld ausgeben können und sie eine fette Provision einstreicht.
Wir waren in einer Holzschnitzerei, wo es unter anderem jene kleinen Figuren zu bestaunen gab, bei denen auf Knopfdruck.. Ach, lassen wir das! Dann waren wir zur Weinprobe. Wir durften alle aus einem Becher einen winzigen Schluck Wein probieren, dann führte uns die Reiseleiterin schnell zum Verkaufstresen. Ich glaube, sie war uns ein bisschen böse, weil wir nichts gekauft haben, aber wir trinken nun mal lieber Wein als Essig.
Wir besuchten noch einen Souvenirshop, einen Gewürzhändler und eine Stickerei. Für die Berge war dann irgendwie keine Zeit mehr.
Die Zeit ging so schnell vorbei...
An manchen Tagen war es so deprimierend langweilig, dass ich sogar die BILD-Zeitung zweimal gelesen habe.
Auf dem Weg zum Flughafen trafen wir noch Bekannte.
Ah, hola Pedro!
Wir wollten gar nicht wieder nach Hause!
Endlich zurück aus diesem Drecksloch!
(C) 2008 (K)ein Kommentar