Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit, der Ruhe und des Friedens! Familien erfreuen sich in schönster Harmonie am Lichterglanz, glückliche Hunde tollen in Zeitlupe durch tief verschneite Idyllen. Ja, das ist Weihnachten - zumindest in der Fernsehwerbung...
Die Realität könnte gegensätzlicher nicht sein: Dauerstau in der Innenstadt, völlig erschöpfte und gestresste Verkäufer und dazu Familien, die es sich nicht nehmen lassen, den Dispo-Kredit am langen Samstag mit vereinten Kräften komplett zu verpulvern.
Insbesondere die geplagten Mütter sehen in diesen Tagen so aus, als ob sie dringend eine längerfristig angelegte Schönheitskur benötigten. An ihnen bleibt schließlich der meiste Stress hängen, da Vati ja immerhin den bevorstehenden Jahresabschluss und die zahlreichen gesellschaftlichen Verpflichtungen (z.B. die wichtige Glühwein-Party bei der Meyer KG) als mildernde Umstände geltend machen kann.
„Weihnachten ist schließlich etwas ganz Besonderes! Da soll es doch schön werden.“ So etwa lautet die Standard-Antwort, wenn man nachfragt, warum sich erwachsene Menschen diesen alljährlichen Wahnsinn antun.
Drei Tage voller quälender Harmonie („Nun sei doch mal nett und sprich mit Oma!“) sind es also offenbar wert, sich dafür die sechs bis acht Wochen vor dem Fest sowohl psychisch als auch physisch so zu verausgaben, dass man frühestens im nächsten Spätherbst einigermaßen regeneriert ist. Aber dann geht das Ganze ja schon wieder von vorne los!
Ich würde in diesen Wochen vor dem „frohen Fest“ an liebsten gar nicht mehr aus dem Haus gehen. Die Aggression, die insbesondere in den letzten Tagen unmittelbar vor dem „Fest der Liebe“ die Straßen, Postschalter, Fußgängerzonen und Geschäfte erobert, ist schlimmer als alles, was die gesammelten James-Bond-Bösewichte seit „Dr. No“ angezettelt haben!
Wenn Sie masochistisch veranlagt sind, bietet insbesondere der Supermarkt schier unerschöpfliche Gelegenheiten, psychologisch hoch interessante Milieustudien zu betreiben...
Ich war beispielsweise gestern gerade mal wieder im Supermarkt. Nein! Nicht aus Masochismus! Ich musste tatsächlich einige Lebensmittel einkaufen.
Die Parkplatzsuche war an sich schon Grund genug, sofort wieder umzudrehen, aber in der vorweihnachtlichen Einkaufsorgie wären alle anderen Supermärkte auch nicht stressfreier. Und dann erst die Suche nach einem freien Einkaufswagen! Schließlich gelang es mir einen Rentner auszutricksen, und einen Einkaufswagen zu ergattern.
Unglück im Glück: Ich hatte keinen Euro dabei, um die aufgetakelte Vornutzerin des Einkaufswagens auszuzahlen. Es war zwar ärgerlich, aber mir blieb keine andere Wahl: Ich gab ihr ein Zwei-Eurostück, allerdings nicht ohne den gehässigen Hinweis, dass sie sich davon in diesen kalten Tagen auch mal etwas Warmes gönnen könnte.
Im Supermarkt selbst war es schlimmer, als ich es je für möglich gehalten hätte! Gibt es eigentlich irgendein Gesetz, dass es zwingend notwendig macht, Hunde, Kleinkinder und Säuglinge beim Einkaufen unbedingt dabei zu haben?
Ich wollte nur schnell durch den Konserven-Gang zum Joghurtregal - da passierte es!
Eine gehetzte Hausfrau mit zwei jammernden Kindern im Schlepptau schepperte mit ihrem Einkaufswagen gegen meinen. Da die arme Frau zu diesem Zeitpunkt bereits grotesk erschöpft aussah, war ich ausnahmsweise einmal nett: „Oh hoppla! Das war ja ein Volltreffer“, sagte ich zu ihr und lachte ihr freundlich zu.
Da schließlich nichts weiter passiert war (nicht mal ihr Milchschlauch war ausgelaufen), setzte ich mit einem fröhlichen Winken meinen Weg fort.
„Können Sie nicht aufpassen? Ich hatte Vorfahrt“, keifte mich das Wesen an.
„Vorfahrt?“ Ich war verwirrt.
„Das ist doch wohl vollkommen klar! Hier gilt schließlich ‚rechts vor links‘!“
Ich gebe zu, das hatte ich nicht gewusst. Genau genommen habe ich mir bislang überhaupt keine Gedanken über Verkehrsregeln im Supermarkt gemacht. Das war offensichtlich ein Fehler.
Der Marktleiter-Assistent war leider auch keine große Hilfe. „Seit wann gilt denn hier die Straßenverkehrsordnung?“, fragte ich ihn. „Äh, ich weiß nicht so recht. Da müsste ich mal in der Zentrale nachfragen“, meinte er ratlos.
Als ich meine Versicherungskarte zog, wiegelte er ab: „Nein! Bitte keine Polizei hier! Es ist doch gar nichts passiert!“ Da war er bei meiner Unfallgegnerin an der richtigen Adresse: „Dieser Wilde rammt meinen Einkaufswagen, und Sie behaupten, es sei nichts passiert? Meine Kinder sind jetzt völlig verstört!“
Wenn man mich als ‚Wilden‘ bezeichnet, versuche ich natürlich gerne, dem gerecht zu werden: „Entschuldigung, aber so wie Sie sich hier aufführen, sind Ihre Kinder bestimmt seit ihrer Geburt völlig verstört!“
Weiter eskalierend wirkte die Äußerung eines älteren Herrn, der behauptete, dass ich eigentlich Vorfahrt gehabt hätte, da ich auf einem ‚Hauptgang‘ unterwegs war und die mittlerweile hysterisch kreischende Frau („Typisch Männer!“) aus einem ‚Nebengang‘ kam, und somit hätte warten müssen!
Unauffällig schlich ich mich aus der inzwischen recht tumultartigen Szenerie davon. Ich ließ meinen havarierten Einkaufswagen im Stich und verließ still und heimlich den Supermarkt. Ich beschloss zur Polizei zu gehen, bevor man mich wegen Fahrerflucht zur Fahndung ausschreibt.
Als ich dem Beamten den Vorfall schilderte, rief er sofort einen Arzt: „Hier ist mal wieder einer völlig durchgeknallt! Ja ja, ein typischer Weihnachtskoller!“ Als der herbeigeeilte Arzt mir die Spritze gab, war ich auf einmal gaaanz entspannt. Es war plötzlich so harmonisch auf der Polizeiwache.
Die Polizei, Dein Freund und Helfer! Zum erstenmal in meinem Leben wurden es wirklich friedliche und ruhige Weihnachtstage...
(C) 2008 mit freundlichen Grüßen an den REWE-Markt in Hmaburg-Duvenstedt - einem ewigen Quell der Inspiration:-)))
23.12.2008
13.12.2008
Kartenspiele
Die nette Dame am Telefon ist keine große Hilfe: „Nein, diese Woche wird das nichts mehr!“ Dabei habe ich ein ziemlich drängendes Problem, denn die Waschmaschine ist kaputt und müsste schnellstens repariert werden.
Aber was will man machen? In den Wochen vor Weihnachten befinden sich fast alle Firmen im absoluten Ausnahmezustand, denn die Belegschaften der Unternehmen stecken bis zum Hals in der vielleicht wichtigsten Arbeit des Jahres. Nein, nicht vom Jahresabschluss ist die Rede, sondern vom alljährlichen Versand der Weihnachtskarten!
Die Azubis werden aus der Berufsschule zurückbeordert, damit sie die Karten in die Umschläge eintüten können. Die Sekretärinnen sind vollauf damit beschäftigt, Berge von Namen und Adressen zu sortieren. Die Damen und Herren aus der Sachbearbeitung wiederum sortieren die Umschläge nach Postleitzahlen, damit das Porto nicht so arg teuer wird!
Der Außendienst ist quasi Tag und Nacht im Dauereinsatz, um den wichtigsten Kunden die Karten persönlich zu überreichen.
Die hübsche Sekretärin vom Geschäftsführer hat schon eine ganz pelzige Zunge, weil sie zur Abwechslung die ganzen Sonderbriefmarken abschlecken muss...
Die Freaks aus der EDV-Abteilung stehen unter Dauerstress, weil der Hauptrechner angesichts der immensen Adress-Datenflut etwa alle fünf Minuten abstürzt.
Nur die Mädels aus der Telefonzentrale haben nicht direkt mit den Kartenspielen zu tun, denn schließlich müssen sie verärgerte Kunden und Lieferanten abwimmeln, die verzweifelt versuchen, irgendjemanden in der Firma zu erreichen.
Und wozu der ganze Stress? Damit die Adressaten in den anderen Unternehmen im wahrsten Sinne mit sinnlosen Weihnachtsgrüßen zugemüllt werden!
Denn tatsächlich landen etwa 96 Prozent der Karten im Müll, nachdem der Empfänger sie mit einem beinahe verzweifeltem Blick kurz zur Kenntnis genommen hat. Obwohl manche Firmen die Karten vor dem Wegschmeißen noch durch ein Erkennungssystem laufen lassen, bei dem automatisch überprüft wird, ob man selbst dem Absender auch einen Weihnachtsgruß zugeschickt hat...
Kilometer lange Schlangen vor dem Postschalter zeigen an, dass wirklich jede Firma glaubt, diesen Wahnsinn mitmachen zu müssen! Mann kann sich die Frage stellen, wie viel Prozent des Bruttosozialproduktes der alljährliche Wehnachtskarten-Rausch ausmacht. Welcher Schaden mag wohl unserer Volkswirtschaft entstehen, wenn die gesamte Industrie für fast drei Wochen im Jahr komplett lahm liegt?
Wenn die Karten wenigstens originell wären, könnte man dem Ganzen ja vielleicht noch einen Funken Spaß abgewinnen. Stattdessen erhält man Jahr für Jahr mehr oder weniger den gleichen Mist! Verblüffend häufig ist dort höhnisch von friedlicher Weihnachtszeit die Rede. Wie denn? Wie soll die Weihnachtszeit bitteschön friedlich werden, wenn man mit idiotischen Kartengrüßen geradezu überhäuft wird?
Da helfen zur Beruhigung auch keine Karten mit Weihnachtsgedichten oder pseudo-philosophischen Texten. Noch schlimmer sind nur diese Kärtchen mit irgendwelchen Backrezepten, zum Beispiel für Zimtsterne. Unweigerlich beschleicht mich die Panik, dass der Absender von mir erwartet, dass ich das Rezept gleich ausprobiere. Und natürlich, dass ich dann begeistert schwärme, wie lecker die Zimtsterne waren.
Doch wie soll ich jetzt backen? Hier auf dem Postamt? Schließlich stehe ich bereits seit gefühlten 75 Stunden in der Schlange. Ich hoffe nur, dass ich noch vor Heiligabend zum Schalter vordringe. Wäre doch schade, wenn meine Weihnachtsgrüße nicht rechtzeitig zum Fest ankommen würden...
(C) 2008 (K)ein Kommentar
07.12.2008
Die Invasion der Nikoläuse
Ob man nun wollte oder nicht, auch dem letzten Festtagsabstinenzler musste es einfach klar werden: Gestern war Nikolaus! In jedem, wirklich ausnahmslos jedem, Geschäft lauerten in rote Mäntel gehüllte studentische Hilfskräfte, um unschuldige kleine Kinder mit kariesfördernden Substanzen zu malträtieren.
Eigentlich ist der Nikolaus ja durchaus sympathisch, warum auch nicht. Er ignoriert zwar hartnäckig müffelnde Stiefel und füllt sie -mit Sicherheit entgegen allen nur denkbaren Hygienevorschriften- mit allerlei Leckereien. Aber nett ist der Nikolaus ja irgendwie schon... Doch in einer Zeit, in der auch der banalste Anlass zum konsumträchtigen Mega-Event wird, muss nun mal auch der Nikolaus zur Umsatzsteigerung herhalten.
Der leider nur durchschnittlich originell denkende Supermarktleiter kann sich angesichts des sechsten Dezembers vor kreativem Organisationstalent kaum noch halten: „Mensch, bald ist ja wieder Nikolaus. Da machen wir unseren Kunden mal eine Freude, und schenken den Kindern Süßigkeiten. Das wird der Hammer!“
Das Problem ist bloß, dass außer dem Supermarktmenschen auch der Drogeriefilialleiter, der Bäcker, der Schlachter, der Optiker und überhaupt alle anderen Geschäftsinhaber exakt die gleiche originelle Idee haben.
Die Folge ist unübersehbar: Schon am frühen Vormittag ist die gesamte Innenstadt sowie jedes am Stadtrand gelegene Einkaufszentrum von Nikoläusen überflutet. Alle kämpfen sie um die Gunst der lieben Kleinen, alle verschenken Süßigkeiten en masse.
Man kann Ihnen einfach nicht nicht entrinnen, zwischen Computerabteilung, Haushaltswaren und Käsetheke haben die Nikoläuse jede nur denkbare Fluchtrichtung abgesichert.
Während die meisten Kinder begeistert zugreifen, und damit entnervte Eltern ignorieren, die in Gedanken schon mal den nächsten Zahnarztbesuch planen, entwickeln manche der Kleinen bereits einen feinen Sinn für Qualität: „Der Nikolaus da drüben hat viel bessere Schokolade, und am Ende der Straße gibt es leckere Bonbons...“
Dramatische Szenen spielten sich dagegen kurz vor Ladenschluss ab. Eine sichtlich erschöpfte Vierjährige versteckt sich hinter ihrem Vater. Er versucht sie aufzumuntern: „Melanie, nun schau doch mal. Schau mal, wer da kommt...“
Doch Melanie mochte einfach nicht mehr. Mit hysterisch kreischender Stimme schrie sie nur noch: „Nein Papi, bitte nicht schon wieder. Nicht schon wieder ein Nikolaus!!!“
(C) 12/2008
Eigentlich ist der Nikolaus ja durchaus sympathisch, warum auch nicht. Er ignoriert zwar hartnäckig müffelnde Stiefel und füllt sie -mit Sicherheit entgegen allen nur denkbaren Hygienevorschriften- mit allerlei Leckereien. Aber nett ist der Nikolaus ja irgendwie schon... Doch in einer Zeit, in der auch der banalste Anlass zum konsumträchtigen Mega-Event wird, muss nun mal auch der Nikolaus zur Umsatzsteigerung herhalten.
Der leider nur durchschnittlich originell denkende Supermarktleiter kann sich angesichts des sechsten Dezembers vor kreativem Organisationstalent kaum noch halten: „Mensch, bald ist ja wieder Nikolaus. Da machen wir unseren Kunden mal eine Freude, und schenken den Kindern Süßigkeiten. Das wird der Hammer!“
Das Problem ist bloß, dass außer dem Supermarktmenschen auch der Drogeriefilialleiter, der Bäcker, der Schlachter, der Optiker und überhaupt alle anderen Geschäftsinhaber exakt die gleiche originelle Idee haben.
Die Folge ist unübersehbar: Schon am frühen Vormittag ist die gesamte Innenstadt sowie jedes am Stadtrand gelegene Einkaufszentrum von Nikoläusen überflutet. Alle kämpfen sie um die Gunst der lieben Kleinen, alle verschenken Süßigkeiten en masse.
Man kann Ihnen einfach nicht nicht entrinnen, zwischen Computerabteilung, Haushaltswaren und Käsetheke haben die Nikoläuse jede nur denkbare Fluchtrichtung abgesichert.
Während die meisten Kinder begeistert zugreifen, und damit entnervte Eltern ignorieren, die in Gedanken schon mal den nächsten Zahnarztbesuch planen, entwickeln manche der Kleinen bereits einen feinen Sinn für Qualität: „Der Nikolaus da drüben hat viel bessere Schokolade, und am Ende der Straße gibt es leckere Bonbons...“
Dramatische Szenen spielten sich dagegen kurz vor Ladenschluss ab. Eine sichtlich erschöpfte Vierjährige versteckt sich hinter ihrem Vater. Er versucht sie aufzumuntern: „Melanie, nun schau doch mal. Schau mal, wer da kommt...“
Doch Melanie mochte einfach nicht mehr. Mit hysterisch kreischender Stimme schrie sie nur noch: „Nein Papi, bitte nicht schon wieder. Nicht schon wieder ein Nikolaus!!!“
(C) 12/2008
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